Rückblick Internationales Symposium 2009

Thema 1: Kultur und Medien in der Globalisierung: Katalysatoren eines gesellschaftlichen Aufbruchs? (In englischer Sprache)

Freitag, 6. März 2009, 20 Uhr
Prof. Dr. Yudhisthir Raj Isar im Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Wiesand

 

Die Globalisierung befördert teils gegenläufige Tendenzen: Eine Renaissance des Regionalen, teils auch Nationalistischen auf der einen, neue und teilweise religiös motivierte Fundamentalismen auf der anderen Seite künden von einer verstärkten Suche nach Identität. Welche Rolle kommt hier der Kultur und den Medien zu? Kann die fortschreitende Medialisierung unserer Gesellschaft durch größere Vielfalt einen Ausgleich der Interessen bewirken und kosmopolitische Einstellungen fördern? Oder verschärft sie die Gegensätze und trägt sie in vielen Teilen der Welt eher zur Radikalisierung bei? Wechselwirkungen zwischen Identität und Differenz lassen sich nach Raj Isar nur verstehen, wenn soziale Bewegungen, Wirtschaft, Kultur und Politik, nicht getrennt voneinander gesehen werden. Hermetische, gegeneinander abgeschottete Kulturen werden ebenso wenig dialogfähig sein wie z. B. nur auf schnelle Rendite orientierte »Global Player«.

 

Thema 2: Kunst und Kultur in der Einwanderungsgesellschaft Deutschland

Dienstag, 10. März 2009, 20 Uhr
Prof. Dr. Claus Leggewie im Gespräch mit Dr. Navid Kermani

 

Dienen im schlimmsten Fall die Felder der Interkulturalität, die sich überall in Deutschland gebildet haben, auch noch der Rechtfertigung, dass alles andere - auch in den öffentlichen Kultureinrichtungen - beim Alten bleibt? Kann Kunst ein Mittel der Sozialpolitik sein? Soll Kulturpolitik der Integration dienen? Und wenn ja - wie? Lassen sich in der Förderung ästhetische und politische Kriterien in Einklang bringen? Anstatt Kulturpolitik dafür einzusetzen, soziale Defizite zu kompensieren, indem talentierte Individuen in die »Nische« einer ethnisierten Förderung verbannt werden, plädiert Claus Leggewie für eine Förderung von kultureller Vielfalt durch »Qualität statt Quote«.

 

Thema 3: Europa und die aussereuropäische Gegenwartskultur (in englischer Sprache)

Montag, 16. März 2009, 20 Uhr
Breyten Breytenbach im Gespräch mit Dr. Mark Terkessidis

 

Seit 1992 arbeitet Breyten Breytenbach am Aufbau und der Entwicklung des »Gorée Institute« auf der ehemaligen Sklaveninsel Gorée, die vor Senegals Hauptstadt Dakar liegt. Bis 1848 war sie einer der Hauptumschlagplätze für Menschenhandel. Rund 10 Millionen Sklaven wurden über diese Insel nach Nord- und Südamerika verschifft. Das einzig erhaltene Sklavenhaus ist heute ein Museum. Die Insel wird sukzessive zur kulturellen Plattform ausgebaut. »Aufklärung und Demokratie haben die Welt nicht besser gemacht«, so die verstörende These von Breyten Breytenbach. Seit den 1960er Jahren gilt er als einer der bedeutendsten Schriftsteller Südafrikas. In seinen literarischen Werken engagiert er sich gegen Rassismus und für soziale Integration und Verständigung. Als Mitglied der Gruppe »Sestiger« strebte er eine Verbindung von politischem Engagement und Literatur an.

 

Thema 4: Ein Abend mit Catherine David (in englischer Sprache)

Dienstag, 24. März 2009, 20 Uhr
Catherine David im Gespräch mit Regina Wyrwoll

 

Erstmals sind auf der Biennale di Venezia die Vereinigten Arabischen Emirate mit einer nationalen Präsentation vertreten. Catherine David, die künstlerische Leiterin des Pavillons von ADACH (»Abu Dhabi Authority for Culture & Heritage«) spricht mit Regina Wyrwoll über ihr kuratorisches Konzept für Venedig. Als ein Treffpunkt für künstlerische Produktion und Dialoge konzipiert, möchte die ADACH Plattform mögliche Richtungen der kulturellen Entwicklung von Abu Dhabi aufzeigen: »Abu Dhabi's exchanges with the world occur in a accelerated fashion«, so die Pressemeldung von ADACH. Die international renommierte Kuratorin Catherine David leitet seit 1998 das Projekt »Représentations Arabes Contemporaines«, das sich um die Integration der arabischen Kunst in die noch weitgehend vom Westen dominierte internationale Kunstszene bemüht.